Lasst uns froh und munter sein…

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….droht auch diese Weihnachten für manche Eltern ein frommer Wunsch zu bleiben.

 

Vielleicht lebt man seit kurzem getrennt. Oder man ist schon länger nicht mehr zusammen und fürchtet die Streitereien, die „alle Jahre wieder“ darüber entstehen, wer wann die Kinder bei sich hat.

Juristisch gesehen, ist die Frage danach, bei welchem Elternteil Kinder getrennt lebender Eltern die Weihnachtstage verbringen, eine Frage nach der Regelung des Umgangs.

Wer das Sorgerecht für ein Kind innehat, ist hier nicht entscheidend.

Möglicherweise wurden im Rahmen eines gerichtlichen Scheidungs- oder Umgangsverfahrens Regelungen zum Umgang getroffen, auch über den Verbleib der betroffenen Kinder an den Feiertagen. Diese Regelungen sind dann verbindlich, und ihre Nichtbeachtung kann unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen, z.B. Ordnungsgelder oder sogar Ordnungshaft. Eine Aufhebung oder Änderung ist nur im gegenseitigen Einvernehmen der Eltern oder bei relevant geänderten Verhältnissen möglich.

Oft haben Eltern sich jedoch nur für den Alltag, ob mit oder ohne gerichtliches Verfahren, auf eine Umgangsregelung verständigt, und nun gilt es, sich über den Aufenthalt der gemeinsamen Kinder während der Weihnachtsfeiertage zu einigen.

Vielfach praktiziert und auch im Rahmen gerichtlicher Verfahren oftmals als Regelung zu finden: Heiligabend verbringen die Kinder bei dem Elternteil, bei dem sie ihren Lebensmittelpunkt haben. Den ersten und/oder zweiten Weihnachtsfeiertag besuchen sie den anderen Elternteil.

Es finden sich weitere Varianten, bei denen die Kinder z.B. Weihnachten immer bei dem einen und die Osterfeiertage dafür regelmäßig bei dem anderen Elternteil verbringen. Oder aber die Eltern wechseln sich jahresweise mit Weihnachten und Ostern ab.

Nicht vergessen sollte man aber, dass all diese Regelungen praktisch sein mögen und sich – jedenfalls aus Elternsicht – mit dem Argument der Fairness schmücken können. Letztlich sind sie jedoch sehr schematisch und werden nicht selten den individuellen Bedürfnissen der betroffenen Kinder nicht gerecht.

Vielleicht verhält es sich ja so, dass Ihre Kinder an Weihnachten vor allem das Krippenspiel in der Kirche am Nachmittag des 24.12. so lieben, weil sie dort immer ihre Freunde und deren Familien treffen. Bei dem anderen Elternteil gibt es zwar auch eine Kirche und ein Krippenspiel, aber die Kinder kennen dort niemanden. In diesem Fall würde die Regelung, in der die Kinder Weihnachten im Jahreswechsel bei Mutter oder Vater verbringen, jedes zweite Jahr den Verzicht auf ein liebgewonnenes Ereignis bedeuten.

Oder es ist Tradition, dass am ersten Weihnachtsfeiertag immer die geliebten Großeltern des Elternteils, bei dem die Kinder leben, zu Besuch kommen. Die Kinder sollen diesen Feiertag aber aus Gründen der Fairness bei dem anderen Elternteil verbringen. Schwierig.

Und was, wenn ein Elternteil über die Weihnachtsfeiertage eine Reise in die verschneiten Berge plant und die Kinder gern mitnehmen möchte? Und die Kinder würden auch wahnsinnig gern mitkommen, sind in diesem Jahr aber dem anderen Elternteil „versprochen“?

Bei allem Verständnis für die Bedürfnisse der Eltern sollte allem voran das Wohl der Kinder Beachtung finden. Optimal wäre es daher, wenn die Eltern sich in Anlehnung an die Wünsche ihrer Kinder jedes Jahr individuell verständigen oder zumindest eine Grundregelung treffen würden, die nicht in Beton gegossen ist, sondern ggf. auch kurzfristige Änderungen zulässt.

Wünschenswert wäre zudem eine gegenseitige Rücksichtnahme der Eltern. Vielleicht ist ein Elternteil finanziell besser gestellt als der andere? Dann sollte sie oder er die gemeinsamen Kinder mit Rücksicht auf den anderen Elternteil nicht alljährlich zur Weihnachtszeit mit Reisen oder anderen Abenteuern locken. Derartige Unternehmungen können ja durchaus auch in andere Ferienzeiten gelegt werden.

Die Lebenswirklichkeit zeigt allerdings, dass es oft Trennungen gibt, nach denen die Eltern keine entspannte gemeinsame Gesprächsebene mehr finden und Absprachen betreffend den Umgang mit den gemeinsamen Kindern daher kaum möglich sind oder unweigerlich zu schlimmem Streit führen. In diesen Fällen kann es sich lohnen, Vereinbarungen z.B. mit Unterstützung der Erziehungsberatung des Jugendamtes zu erarbeiten oder ggf. auch einen Rechtsanwalt zu beauftragen, um von der emotional aufgeladenen Ebene wieder auf sachlicheren Boden zu gelangen. Hier muss aber deutlich gesagt werden, dass sowohl die Mitarbeiter der Erziehungsberatung als auch beteiligte Juristen den Eltern bei ihrer Entscheidungsfindung nur helfen sollten. Eine Entscheidung durch einen Dritten (Bsp. Richter) ist die schlechteste Lösung für alle Beteiligten und insbesondere für die Kinder.

 

Wenn Eltern es schaffen, an Weihnachten keinen Konkurrenzkampf um die gemeinsamen Kinder auszutragen, sondern die Feiertage mit den Augen ihrer Kinder betrachten und orientiert an deren Wünschen und Hoffnungen gestalten, dann beschenken sie am Ende auch sich selbst: mit glücklichen Kindern.

 

Rechtsanwälte Maeß | Heller | Schlenzka

Text: Rechtsanwältin Melanie Wieprecht/Rechtsanwalt Tilmann Maeß